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Zum tragischen Vorfall in Stade:„Zutiefst erschüttert“

In tief empfundener Trauer gedenkt die Caritas Familie in der Erzdiözese Bamberg den Opfern in Stade.
Nach dem gewaltsamen Tod von sechs Menschen in Stade zeigt sich Caritasdirektor Michael Endres im Namen der gesamten Caritas-Familie in der Erzdiözese Bamberg „zutiefst erschüttert“.
Datum:
Veröffentlicht: 7.7.26
Von:
Michael Endres / Enno-Jochen Zerbes

Unsere Gedanken und unsere aufrichtige Anteilnahme sind bei den Familien, Angehörigen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen sowie allen Personen, die von diesem schrecklichen Ereignis betroffen sind. Die Caritas-Gemeinschaft in der Erzdiözese Bamberg spricht den Betroffenen ihr tief empfundenes Mitgefühl aus.

Die entsetzlichen Ereignisse in Stade machen auf schockierende Weise deutlich, dass Menschen, die sich tagtäglich für andere einsetzen, selbst Opfer von Gewalt werden können. Mitarbeitende und Ehrenamtliche, die in Beratungsstellen arbeiten und sich dort engagieren, begleiten Menschen häufig in existenziellen Lebenslagen. Sie beraten in familiären Krisen, bei Trennung und Konflikten, in der Kinder- und Jugendhilfe, in Mutter-Kind-Gesprächen oder bei Fragen des Kinderschutzes. Diese Gespräche sind oft von Emotionen geprägt. Enttäuschung, Angst, Verzweiflung oder Wut können sich entladen – in den allermeisten Fällen bleiben Beratungsräume sichere Orte des Austauschs. Dennoch zeigen einzelne tragische Ereignisse wie jenes in Stade, dass Risiken eben nicht ausgeblendet werden dürfen.

Zweifellos: Ein solcher Vorfall löst mehr als nur Verunsicherung aus. Auch die zahlreichen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen bei der Caritas fragen sich: Sind wir bei der Ausübung unserer Tätigkeit ausreichend geschützt? Wie gehen wir mit bedrohlichen Situationen um? Welche Unterstützung erhalten wir vom Arbeitgeber? Diese Fragen verdienen eine offene und ernsthafte Auseinandersetzung.

Die Konsequenz aus den schrecklichen Ereignissen in Stade kann jedoch nicht sein, Beratungsstellen zu Hochsicherheitsbereichen auszubauen. Die Caritas steht für offene, niedrigschwellige und vertrauensvolle Angebote. Aus diesem Grund müssen Ratsuchende Einrichtungen als auch als offene Orte der Hilfe wahrnehmen können, an denen sie sich willkommen fühlen. Eine Atmosphäre des Misstrauens oder der Abschottung würde diesem Auftrag widersprechen.

Gleichzeitig gehört Fürsorge für die eigenen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen zu unserer Verantwortung. Deshalb müssen Sicherheitskonzepte regelmäßig überprüft und dort weiterentwickelt werden, wo dies sinnvoll ist. Dazu zählen u. a. objektiv nachvollziehbare und angemessene Gefährdungsbeurteilungen, die rechtzeitig vor Beratungsgesprächen stattfinden müssen, klare Handlungsabläufe für eskalierende Situationen, Fortbildungen zu Deeskalation und Konfliktmanagement, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen und geeignete Raumkonzepte, aber auch eine gute Nachsorge nach belastenden Ereignissen. Ebenso wichtig ist eine Kultur, in der Unsicherheiten oder Bedrohungen ohne Angst vor Stigmatisierung angesprochen werden können.

Sicherheit entsteht nicht allein durch bauliche Maßnahmen. Sie entsteht auch durch gute Teamstrukturen, gegenseitige Aufmerksamkeit, professionelle Vorbereitung und eine Organisation, die ihre Mitarbeitenden mit und in schwierigen Situationen nicht allein lässt. Wo einzelne Beratungssituationen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial erkennen lassen, müssen individuelle Schutzmaßnahmen möglich sein – etwa Beratungen zu zweit, die Wahl eines alternativen Beratungsortes – z. B. weg von der Caritas-Beratungsstelle hinein in ein „formelleres“ Setting (z. B. im Jugendamt), sofern dies erforderlich ist –, veränderte Terminorganisation oder alternative Gesprächsformate.

Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e. V. nimmt Mitarbeitende wie Ehrenamtlichen mit ihren Sorgen ernst und wird das auch in Zukunft tun. Dazu gehört der offene Dialog über Sicherheitsbedarfe ebenso wie die konsequente Überprüfung bestehender Schutzkonzepte. Ziel muss sein, größtmögliche Sicherheit mit einer offenen und menschenwürdigen Beratungskultur zu verbinden.

Die Caritas muss den Schutz derjenigen stärker in den Blick nehmen, die täglich Verantwortung für andere übernehmen. Es darf jedoch nicht dazu führen, dass Angst das Miteinander bestimmt. Besonnen, so muss unsere Antwort sein: mit Anteilnahme für die Betroffenen, mit Fürsorge für unsere Belegschaft und mit dem klaren Willen, sichere Orte zu schaffen, an denen Menschen weiterhin Vertrauen, Unterstützung und Hilfe erfahren können.

 

Michael Endres

Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des
Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg e. V.