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Freistaat Bayern kündigt Stellenabbau in der FIB an:Caritas: „Einsparungen wirken sich langfristig negativ aus.“

Michael Endres, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg, warnt eindringlich vor den durch die bayrische Staatsregierung für 2027 geplanten Kürzungen in der Flüchtlings- und Integrationsberatung.
Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e. V. warnt eindringlich vor den Folgen des angekündigten Stellenabbaus in der Flüchtlings- und Integrationsberatung (FIB) in Bayern, die der Freistaat Bayern im Rahmen der neuen Förderrichtlinie BIR IV umsetzen will. Danach sollen in Bayern 20 Prozent der Personalstellen ab dem 1. Januar 2027 wegfallen.
Datum:
Veröffentlicht: 19.5.26
Von:
Enno-Jochen Zerbes

20 % Personalkürzungen deutlich zu hoch

Zwar seien die Zugangszahlen von Geflüchteten zuletzt rückläufig, dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die notwendige Unterstützungs- und Integrationsarbeit weiterhin ein langfristiger, personalintensiver und anspruchsvoller Prozess sei, betont Michael Endres, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg e. V. Vor diesem Hintergrund sieht er die für das kommende Jahr angekündigte Novelle der bayerischen Beratungs- und Integrationsrichtlinie IV (BIR IV) als sehr dramatisch. Von den Kürzungen wären alleine bei der Caritas in der Erzdiözese Bamberg knapp 10 Stellen, landesweit gut 135 Stellen betroffen.

Eine Kürzung um 20 Prozent sei aus der Sicht der Caritas deutlich zu hoch. „Wir erleben in unseren Beratungsstellen täglich, dass Integration nicht mit der Anerkennung eines Aufenthaltsstatus endet. Sie beginnt dort oft erst richtig“, so Endres weiter.

Kontinuität entscheidend für nachhaltige Integration

Die Flüchtlings- und Integrationsberatung begleite Menschen über einen langen Zeitraum hinweg – bei Sprachförderung, Wohnraumsuche, Ausbildung, Arbeit, Fragen des Familienalltags oder im Umgang mit Behörden. Gerade diese kontinuierliche Begleitung sei entscheidend dafür, dass Integration nachhaltig gelingen könne.

„Integration ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein komplexer gesellschaftlicher Prozess“, so der Bamberger Caritas-Chef. „Je intensiver Beratung und Begleitung möglich sind, desto schneller gelingt soziale Integration und die Integration in den Arbeitsmarkt.“

Davon profitiere nicht nur der einzelne Mensch, sondern die gesamte Gesellschaft. Menschen, die gut begleitet würden, könnten schneller eigenständig ihren Lebensunterhalt sichern, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und aktiv am sozialen Leben teilhaben. „Unser gemeinsames Ziel sollte sein, Menschen möglichst früh in Arbeit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe zu bringen – und sie nicht dauerhaft in Abhängigkeit von staatlichen Leistungen zu halten“, betont der Vorstandsvorsitzende.

„Personalkürzungen fallen uns langfristig auf die Füße“

Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg appelliert deshalb an die Verantwortlichen des Freistaates Bayern, „die Bedeutung der Flüchtlings- und Integrationsberatung auch unter veränderten Rahmenbedingungen weiterhin angemessen zu berücksichtigen“, so Endres. Einsparungen in diesem Bereich könnten sich langfristig negativ auswirken – sowohl gesellschaftlich als auch finanziell.

„Wir verstehen, dass öffentliche Haushalte unter Druck stehen und Prioritäten gesetzt werden müssen“, erklärte Endres. „Gleichzeitig sind wir überzeugt: Kürzungen bei Integration und Beratung werden uns langfristig auf die Füße fallen – finanziell wie sozial. Gute Integrationsarbeit ist keine Zusatzleistung, sondern eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“