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Mietenreport 2026: Wenn Wohnen zur Armutsfrage wird:Caritas Bamberg warnt vor wachsendem Druck auf einkommensschwache Haushalte

Sieht in den stetig steigenden Wohnkosten eine Hauptursache für eine  soziale Krise - Michael Endres, Caritasdirektor der Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg e. V.
Wohnen wird für immer mehr Menschen zur existenziellen Belastung. Das zeigt der aktuelle Mietenreport 2026 des Deutschen Mieterbundes. Mit einer Mietquote von 52,8 Prozent ist und bleibt Deutschland das Mieterland Nummer eins in Europa. Das sei ein idealer Nährboden für eine soziale Krise, sagt die Caritas Bamberg.
Datum:
Veröffentlicht: 15.9.26
Von:
Enno-Jochen Zerbes (Auch mithilfe von KI erstellt)

Gleichzeitig verschärft sich die soziale Spaltung auf dem Wohnungsmarkt: Fast vier von fünf armutsbetroffenen Menschen leben zur Miete. 58 Prozent der Mieter geben an, dass ihre Wohnkosten innerhalb eines Jahres gestiegen sind.

„Wenn Menschen trotz Arbeit oder Sozialleistungen ihre Miete, Stromrechnung und den täglichen Lebensunterhalt kaum noch bezahlen können, sprechen wir nicht mehr allein über eine Wohnungsfrage. Wir sprechen über eine soziale Krise“, sagt Michael Endres, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg (DiCV Bamberg). „Die steigenden Wohn- und Energiekosten greifen unmittelbar in die Lebensführung der Menschen ein. Wer bei der Miete nicht ausweichen kann, spart irgendwann bei Lebensmitteln, notwendigen Anschaffungen oder gesundheitlichen Ausgaben.“

Der Mietenreport macht deutlich, wie begrenzt die finanziellen Spielräume vieler Haushalte inzwischen sind. 29 % der Mieter sorgen sich, ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen zu können. Mehr als jeder vierte Mieter könnte die eigene Wohnung nach einem starken Einkommensverlust höchstens drei Monate halten. Bei armutsbetroffenen Menschen ist die Situation sogar noch dramatischer: Mehr als ein Drittel leidet extrem unter der Wohnkostenüberbelastung, mehr als ein Viertel lebt in einer überbelegten Wohnung.

Wenn die Energiekosten zusätzlich drücken

Die Caritas erlebt die Auswirkungen dieser Entwicklung auch in ihrer täglichen sozialen Arbeit. Neben den Wohnkosten sind insbesondere die Energiekosten zu einem zentralen Armutsrisiko geworden. Für Haushalte mit geringem Einkommen können bereits vergleichsweise kleine zusätzliche Belastungen dazu führen, dass die monatliche Rechnung nicht mehr aufgeht.

Mit ihren Energiebeihilfen unterstützt die Caritas deshalb Menschen, die ihre Strom- oder Heizkosten nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen können. Die Nachfrage nach dieser spezifischen Unterstützung hat in diesem Jahr ebenfalls ein Rekordniveau erreicht. "Zur Jahresmitte haben wir bereits mehr als 140.000 EUR an Energiebeihilfen ausbezahlt. Zum Jahresende rechnen wir mit einer Summe von 300.000 EUR", blickt Endres voraus. Das sei so viel, wie noch nie zuvor. Selbst staatliche Sozialleistungen und reguläre Unterstützungsangebote reichen bei akuten finanziellen Engpässen häufig nicht aus, um eine konkrete Notlage aufzufangen.

Michael Endres: „Die Energiebeihilfe der Caritas ist keine Alternative zu einem funktionierenden Sozialstaat. Sie ist ein Notanker für Menschen, bei denen eine konkrete Rechnung heute bezahlt werden muss, während andere Hilfen nicht oder nicht schnell genug greifen“, betont der Bamberger Caritas-Chef. „Dass wir als Wohlfahrtsverband zunehmend mit eigenen Mitteln bei Energie-, Miet- und anderen existenziellen Notlagen helfen müssen, ist ein Warnsignal.“

Neben den Energiebeihilfen sind auch weitere Hilfsfonds und direkte finanzielle Unterstützungen der Caritas von großer Bedeutung. Sie helfen beispielsweise dann, wenn nach einer unerwarteten Nachzahlung, einer notwendigen Anschaffung oder nach einem gesundheitlichen Notfall das Geld nicht mehr reicht. Gerade Menschen, die nur über geringe Rücklagen verfügen, geraten dadurch schnell in eine existenzielle Schieflage.

Hilfsfonds können strukturelle Probleme nicht lösen

Die Caritas sieht in der zunehmenden Nachfrage nach solchen Hilfen zugleich einen Auftrag an Politik und Gesellschaft. Ihre Hilfsangebote können zwar kurzfristig Not lindern, aber sie können keine strukturellen Probleme des Wohnungs- und Sozialmarktes lösen.

„Wir können Menschen in einer akuten Notlage unterstützen. Aber wir können nicht dauerhaft die Lücke schließen, die zwischen Einkommen und steigenden Lebenshaltungskosten entsteht“, hebt Endres hervor. „Wenn immer mehr Menschen auf Energiebeihilfen oder andere Hilfsfonds angewiesen sind, muss die politische Antwort deshalb lauten: Wohnraum muss bezahlbar bleiben und Menschen mit niedrigen Einkommen brauchen eine verlässliche soziale Absicherung.“

Der Deutsche Mieterbund weist in seinem Mietenreport ebenfalls darauf hin, dass Wohngeld und Leistungen für Unterkunft und Heizung für Millionen Menschen unverzichtbar sind. Ihr steigender Finanzierungsbedarf sei nicht die Ursache der Krise, sondern eine Folge steigender Mieten und des Mangels an dauerhaft bezahlbarem Wohnraum.

Mehr bezahlbarer Wohnraum statt Kürzungen

Aus Sicht der Caritas Bamberg ist deshalb eine Strategie notwendig, die zweigleisig fährt: Menschen in akuten Notlagen müssen zuverlässig abgesichert werden. Parallel müssen die Ursachen der wachsenden Wohnkostenbelastung angegangen werden.

Dazu gehören aus Sicht der Caritas insbesondere ein deutlich größerer Bestand an sozialem und gemeinwohlorientiertem Wohnraum sowie eine auskömmliche Unterstützung von Haushalten mit niedrigen Einkommen. Und auch die Kosten für Energie müssten bei der politischen Betrachtung der Wohnkosten stärker berücksichtigt werden.

„Eine Gesellschaft darf nicht akzeptieren, dass Menschen zwischen Miete, Heizung und Lebensmitteln wählen müssen. Wohnen ist keine beliebige Konsumausgabe, sondern eine Grundvoraussetzung für soziale Teilhabe und ein menschenwürdiges Leben“, erklärt Endres. Die Caritas werde deshalb auch künftig Menschen unterstützen, die durch steigende Wohn- und Energiekosten in finanzielle Not geraten. Gleichzeitig müsse das Ziel bleiben, dass möglichst wenige Menschen überhaupt auf solche Nothilfen angewiesen seien.

Soziale Sicherheit beginne laut Endres dort, wo Menschen nicht jeden Monat aufs Neue darum bangen müssen, ob das Geld für die eigene Wohnung reicht.