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Sozialstaat sichern statt schwächen:Caritas Bamberg warnt vor einseitigem Blick auf Einsparpotenziale

„Der Sozialstaat ist kein Kostenfaktor. Wer hier vorschnell den Rotstift ansetzt, riskiert langfristig deutlich höhere Folgekosten“, sagt Michael Endres, Caritasdirektor des DiCV Bamberg.
Angesichts der bevorstehenden Sozialstaatsreform, mahnt auch der Diözesan-Caritasverband Bamberg e. V. zu einer differenzierten und verantwortungsvollen Debatte bei der Kürzung sozialstaatlicher Leistungen.
Datum:
Veröffentlicht: 20.4.26
Von:
Enno-Jochen Zerbes

„Sozialstaat ist kein Kostenfaktor.“

Es sei legitim und notwendig, öffentliche Ausgaben regelmäßig zu überprüfen. Doch der Sozialstaat sei kein Kostenfaktor, der sich einfach „wegsparen“ lasse, sagte Michael Endres, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Bamberg e. V. (DiCV Bamberg). „Der Sozialstaat ist vielmehr das stabile Fundament für gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Sicherheit.“ Wer hier vorschnell und zu einseitig den Rotstift ansetze, riskiere langfristig deutlich höhere gesellschaftliche Folgekosten und nähre bei vielen Menschen, die auf die Unterstützung sozialer Dienste angewiesen seien, das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.

Kürzungen im Milliardenbereich

Mit großer Sorge beobachte die Caritas in der Erzdiözese Bamberg vor diesem Hintergrund, dass in der aktuellen öffentlichen Diskussion häufig kurzfristige Einsparungen in den Vordergrund gestellt werden, ohne die langfristigen Auswirkungen ausreichend zu berücksichtigen, so Endres weiter. Gerade in Bereichen wie Pflege, Kinder- und Jugendhilfe, Integration/Migration oder Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenslagen, seien die Bedarfe in den vergangenen Jahren extrem gestiegen – und mit ihnen auch die finanziellen Anforderungen.

Wie u. a. auch das Wochenmagazin DER SPIEGEL berichtete, liegen aktuell konkrete Vorschläge auf dem Tisch, die z. B. teilweise drastische Kürzungen in der Behinderten- und Jugendhilfe empfehlen. Zur Diskussion stehen in diesem Sektor insgesamt über acht Milliarden Euro.

Gezielte Reformen, statt realitätsfremde Vorschläge

„Ich halte ich diese Vorschläge für absolut realitätsfremd“, so Endres weiter.  „Unsere tägliche Arbeit zeigt doch: Die sozialen Herausforderungen sowie die konkreten Problemlagen der immer größer werdenden Anzahl an Menschen, die Beratung und Hilfe suchen, werden keineswegs einfacher, sondern komplexer. Einsparungen dürfen nicht dazu führen, dass notwendige Hilfen eingeschränkt oder sich die Qualität sozialer Dienste verschlechtert.“ Ein starker Sozialstaat sei keine Belastung, sondern eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft.

Der Diözesan-Caritasverband Bamberg plädiert daher für einen ausgewogenen Ansatz: Effizienzsteigerungen und Bürokratieabbau seien sinnvoll, dürften jedoch nicht zulasten der Menschen gehen, die auf Unterstützung angewiesen seien, fuhr der Bamberger Caritas-Chef fort. Statt pauschaler Kürzungen brauche es gezielte Reformen, die sowohl wirtschaftliche Nachhaltigkeit als auch soziale Gerechtigkeit im Blick behalten.

„Wer nachhaltige Lösungen will, muss die Perspektiven der Praxis ernst nehmen“, sagte Endres. Die Caritas stehe jederzeit bereit, ihre praktischen Erfahrungen in diesen Prozess einzubringen