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Armutsbericht 2026:Caritas Bamberg: „Für immer mehr Menschen reicht das Geld zum Monatsende nicht mehr aus.“

'Die Ergebnisse des Armutsberichts sind ein deutliches Warnsignal und eine eindeutige Aufforderung an Staat und Gesellschaft, Armut nun endlich umfassend zu beseitigen“, sagte Michael Endres, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Bamberg e. V.
Der gestern veröffentlichte Armutsbericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes zeichnet ein alarmierendes Bild der sozialen Lage in Deutschland. Demnach leben inzwischen weit über 13 Millionen Menschen in Deutschland in Armut. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Frauen, Alleinerziehende und Alleinlebende.
Datum:
Veröffentlicht: 3.6.26
Von:
Enno-Jochen Zerbes

Für die Caritas in der Erzdiözese Bamberg bestätigen die Zahlen die Erfahrungen aus der täglichen Beratungs- und Unterstützungsarbeit. Auch in seinem Einzugsgebiet – in Ober- und Mittelfranken – beobachte der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche seit Jahren, dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu sichern, steigende Wohnkosten zu tragen oder unerwartete Ausgaben zu bewältigen.

„Deutliches Warnsignal“

„Die Ergebnisse des Armutsberichts sind ein deutliches Warnsignal und eine eindeutige Aufforderung an Staat und Gesellschaft, Armut nun endlich umfassend zu beseitigen“, sagte Michael Endres, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Bamberg e. V, am Mittwochvormittag. Hinter jeder Statistik stünden Menschen, die sich Sorgen machen, ob das Geld bis zum Monatsende reiche, ob die Wohnung gehalten werden könne oder wie Kindern gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden könne. „Auch in unserer Region erleben wir, dass immer mehr Menschen trotz Arbeit, Rente oder staatlicher Leistungen nicht mehr wissen, wie sie die steigenden Kosten für Wohnen, Energie und den täglichen Lebensunterhalt bewältigen sollen. Armut bedeutet nicht nur materielle Not. Sie schränkt Chancen ein, verhindert Teilhabe, macht betroffene Menschen einsam und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, beschreibt Endres die aktuelle Lage.

Jede fünfte Person über 65 ist armutsgefährdet

Mit einer Armutsquote von 16,1 Prozent hat sich laut des Paritätischen Gesamtverbandes die Armut in Deutschland weiter verfestigt. Insgesamt leben hierzulande 13,3 Millionen Menschen in Armut. Wie aus dem Armutsbericht hervorgeht, tragen insbesondere ältere Menschen, Frauen und Alleinerziehende ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko. Der Verband weist darauf hin, dass Armut längst kein Randphänomen mehr sei. Besonders besorgniserregend sei die steigende Altersarmut. Fast jede fünfte Person über 65 Jahre gilt inzwischen als armutsgefährdet, heißt es in dem Bericht. Dazu zählen auch Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern, die ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko tragen.

Caritas fordert Stärkung der sozialen Sicherung

Die Caritas im Erzbistum Bamberg fordert deshalb eine konsequente Politik gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Dazu gehören aus Sicht des Verbandes insbesondere

  • armutsfeste Sozialleistungen sowie eine nachhaltige Bekämpfung von Kinder- und Altersarmut,
  • eine gezielte Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden,
  • bezahlbarer Wohnraum,
  • eine auskömmliche Finanzierung sozialer Dienste und Beratungsangebote,
  • bessere Chancen auf Bildung und Teilhabe für benachteiligte Menschen sowie
  • die Stärkung der sozialen Sicherungssysteme.

„Als Caritas erleben wir täglich, dass soziale Teilhabe für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Wer am Essen, an der Heizung oder an notwendigen Anschaffungen sparen muss, verliert nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern oft auch gesellschaftliche Perspektiven. Deshalb brauchen wir eine Politik, die Armut wirksam bekämpft und den sozialen Zusammenhalt stärkt“, fährt Endres fort.

Politik ist gefordert

Eine solidarische Gesellschaft dürfe Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht alleinlassen. „Wer Armut wirksam bekämpfen will, muss in soziale Sicherheit, Bildung, Wohnen und Teilhabe investieren. Die Politik ist gefordert, die Lebensrealität der Betroffenen stärker in den Blick zu nehmen und soziale Gerechtigkeit zu einem zentralen Handlungsfeld zu machen. Dazu stehen wir jederzeit als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung“, so Endres‘ Angebot an die Politik.

Die Mitarbeitenden der Caritas würden in den Beratungsstellen, Sozialdiensten und Einrichtungen täglich die konkreten Folgen von Armut erleben. „Immer häufiger suchen Menschen Unterstützung, die bislang als finanziell abgesichert galten“, so der Bamberger Caritas-Chef. Besonders hohe Belastungen entstünden durch steigende Wohnkosten sowie die anhaltend hohen Preise für Energie und Lebensmittel.

Die Caritas in der Erzdiözese Bamberg wird sich auch weiterhin für Menschen einsetzen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, und fordert Bund, Länder und Kommunen auf, die Bekämpfung von Armut zu einer zentralen gesellschaftspolitischen Aufgabe zu machen.

 

Hintergrund

Der Paritätische Armutsbericht 2026 „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ weist für Deutschland eine Armutsquote von 16,1 Prozent aus. Insgesamt leben 13,3 Millionen Menschen in Einkommensarmut. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Frauen, Alleinerziehende und Alleinlebende.