Schwangerschaftsberatungen trafen Bamberger Erzbischof:Herwig Gössl: „Schwangerschaftsberatung ist sehr wichtige Aufgabe“

Im Mittelpunkt des Austauschs, der zum Jahresbeginn im Bistumshaus St. Otto in Bamberg stattfand, standen aktuelle Herausforderungen in der Beratungsarbeit, gesellschaftliche Entwicklungen sowie die Weiterentwicklung unterstützender Angebote für Schwangere und Familien in schwierigen Lebenslagen. Zu Beginn verschaffte Barbara Borschert, die als Leiterin der Abteilung für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e. V. auch fachlich für die Schwangerschaftsberatung in der Erzdiözese Bamberg verantwortlich ist, den Teilnehmenden einen kompakten Überblick in dieses spezifische Arbeitsfeld. Dieses sei zu aller erst als psychosoziales Beratungsformat zu verstehen, informierte Borschert die Runde, die vom Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzenden des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg, Michael Endres, moderiert wurde, und der neben Erzbischof Gössl auch Domvikar Gerd-Richard Neumeier angehörten.
Komplexe Problemlagen
Während die Anzahl der Beratungsfälle vor Corona noch rückläufig war, nimmt die Zahl der Menschen, die bei der Schwangerschaftsberatung Hilfe suchten, seit Corona wieder zu. Das zeigen die Zahlen, die der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg jedes Jahr erfasst: 2024 waren es 1702 Fälle, 2023 1650 und 2022 1622 Fälle. Vor allem Frauen, Elternpaare, aber auch Väter würden sich mit immer komplexeren Problemlagen an die Beratungsstellen wenden, sagte Borschert. „Dazu zählen u. a. alle Aspekte vor und nach der Geburt, Anfragen zur sexuellen Bildung und Prävention, zu unerfüllten Kinderwünschen, Partnerschaftskonflikte, aber auch Existenzsicherungsfragen und Themen wie vertrauliche Geburt.“ Die Anforderungen seien hoch: Denn die Beraterinnen würden sich vermehrt auch mit komplexen Themenbereichen wie z. B. die Pränataldiagnostik, die Reproduktionsmedizin oder die Präimplantationsdiagnostik konfrontiert sehen und müssen dazu zumindest ein grundsätzliches Fachwissen mitbringen.
Im weiteren Verlauf betonten sowohl die Leitungskräfte der Beratungsstellen Petra Strmecki, Ursula Kreck und Heidi Winter-Schwarz, als auch die Beraterinnen selbst – darunter Susanne Rauschmayer, Heike Hedwig und Rita Weibbrecht – immer wieder die Bedeutung einer qualifizierten, wertorientierten Beratung. Nur dadurch seien sie in der Lage, die Frauen und Paare in Konflikt- und Entscheidungssituationen zu stärken und zu begleiten. Zugleich wurden die enge Zusammenarbeit mit kirchlichen Stellen, der Caritas und mit Schwangerschaftsberatungen anderer Organisationen als wesentliche Faktoren hervorgehoben. Ohne sie wäre eine wirksame Vernetzung sowie eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Schwangerschaftsberatung nicht möglich.
Praktische Fragen der täglichen Arbeit
Außerdem widmeten sich die Teilnehmenden auch praktischen Fragen der täglichen Arbeit, etwa im Umgang mit sozialen, psychischen und wirtschaftlichen Belastungen von Schwangeren sowie von werdenden Eltern. In diesem Zusammenhang stellten die Beratungsstellen aus Ansbach, Nürnberg und Bamberg die einzelnen Schwerpunkte ihrer Arbeit vor. Sie reichen von der Schreibabyberatung, neuen digitalen Beratungsformaten wie die Chat- und E-Mail-Beratung oder praktischen Angeboten wie die Baby Box zur Erstausstattung von Neugeborenen, bis hin zu spezialisierten Beratungsangeboten wie der vertraulichen Geburt, der CariBoutique, einem kleinen Ladengeschäft, das Sachspenden an Familien mit geringem Einkommen kostenlos ausgibt, und den "Love Tours", dem bekannten Jugendprojekt zur wertorientierten sexuellen Bildung, das seit nunmehr 25 Jahren in der gesamten Erzdiözese tausende Jugendliche erreicht.
„Wichtige Aufgabe, schwierige finanzielle Lage“
Die Vertreterinnen der Beratungen bedankten sich beim Bamberger Erzbischof für die große finanzielle Unterstützung, die das Erzbistum Bamberg Jahr für Jahr für die Schwangerschaftsberatung aufbringt. Erzbischof Herwig Gössl gab den Dank sogleich zurück: „Die Schwangerschaftsberatung ist eine sehr wichtige Aufgabe. Ich möchte Ihnen deshalb meinen Dank aussprechen, insbesondere auch für ihr großes Engagement, mit dem Sie sich Ihrer Aufgabe in diesem hochsensiblen Bereich widmen.“ Der oberste Katholik im Erzbistum Bamberg wies aber auch darauf hin, dass die katholische Kirche und damit auch die Caritas-Schwangerschaftsberatungsstellen vor großen finanziellen Herausforderungen stünden. „Die Realität sieht leider so aus, dass die katholische Kirche und damit auch alle Caritas-Beratungsstellen, also auch die Schwangerschaftsberatungen, mit deutlich weniger Geld zurechtkommen müssen“, sagte Gössl und nannte die Kirchenaustritte sowie die immer kleiner werdende Anzahl an Kirchsteuerzahlern als Hauptursache für die angespannte finanzielle Lage. Umso wichtiger sei es, dass diese Arbeit stärker in die Öffentlichkeit gelange, so Gössl weiter. „Es muss den Menschen immer wieder deutlich gemacht werden, dass auch dafür Kirchensteuergelder verwendet werden.“
Das Treffen wurde von allen Beteiligten als konstruktiv bewertet. Ziel sei es, hieß es aus der Runde, den regelmäßigen Dialog fortzusetzen, um gemeinsam zukunftsfähige Perspektiven für die katholische Schwangerschaftsberatung und ihre Rolle innerhalb der kirchlichen und sozialen Landschaft zu entwickeln.
Hintergrund:
In der Erzdiözese Bamberg gibt es insgesamt drei katholische Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen. Sie befinden sich in Ansbach, Bamberg und Nürnberg und verfügen wiederum über Außensprechstunden in Neustadt/Aisch, Lauf a. d. Pegnitz und Forchheim. Über 2.000 Klientinnen und Klienten pro Jahr suchen diese Stellen auf, die mit vielschichtigen Angeboten unterstützen. Dazu zählen u. a. auch die „Love Tours“, ein Projekt zur wertorientierten sexuellen Bildung. In der gesamten Erzdiözese Bamberg erreicht es jährlich mehr als 1.000 Jugendliche.